Egoismus

 

 

Egoismus

 

Wie wir ja alle wissen, würden unsere Pferde auch super gut ohne uns Menschen in der freien Wildbahn auskommen. Wenn nicht hier und da ein Puma um die Ecke kommen würde, würden die Pferde alle an Krankheiten und Altersschwäche sterben und hätten bis dahin ein ruhiges und zufriedenes Leben in ihrem sozialen Gefüge. Es gäbe Hengste, die für die Sicherheit und den Fortbestand der Herde zuständig wären, Stuten die entweder die Leitung der ganzen Sippe übernehmen oder sich von dem stärksten der Gruppe zum weitererhalt der Gattung decken lassen. Einfach ein artgerechtes Zusammenleben, wo Fohlen noch mit einander spielen dürfen bis sie reif genug sind um zum Erhalt der Gruppe beizutragen.

 

Klar gibt es noch ein paar wilde, freilebende Pferde auf der Welt, aber es ist wohl die Ausnahme. Die Mehrheit ist dem Willen oder Gefallen von uns Menschen unterworfen. Jetzt sagt der ein oder andere, ich halte meine Pferde doch einigermaßen Pferdegerecht. Da Frage ich mich, was ist Pferdegerecht, wo ist da schon die Grenze. Es ist schwer diese Frage zu beantworten. Werfe einfach mal ein paar Fakten in den Raum….

 

Ist es Pferdegerecht, in die Natur einzugreifen und das Pferd für unsere Zwecke zu unterwerfen?

 

Sie in einen engen Stall zu sperren, in einer dunklen Box mit Rädern dran von A nach B zu fahren. Uns auf ihren Rücken zu setzen, der eigentlich nicht dafür gemacht ist, oder mit ihnen um Schleifen und Pokale zu ringen.

 

In Offenställen halten, die wie in diesem Winter, leider im Matsch versinken und die Pferde kaum Möglichkeiten haben sich einen trockenen Platz zu suchen.

 

Junge Pferde werden von Ihren Artgenossen abgesondert und auf Einzelpaddocks ohne sozialen Kontakt gehalten, weil sie einen großen Namen tragen und vielleicht mal später viel Erfolg haben sollen. Hengste werden von Hobbyzüchtern in dunklen Verließen gehalten und dürfen nur zum decken raus, weil sie sonst zu gefährlich sind.

 

Ist es nicht unser aller Egoismus mit dem wir es hier zu tun haben?! Wir können unsere Pferde leider nicht fragen ob sie es gern für uns tun…

 

Ich stelle mich persönlich hier auch an den Pranger, denn auch ich habe Pferde und bilde Diese und ihre Reiter aus. Trotzdem stelle ich mir immer wieder diese Frage, warum zwinge ich einem Lebewesen meinen Willen auf?

 

Auch im Natural Horsemanship versuchen wir Pferden etwas beizubringen, was sie in der freien Wildbahn nicht tun oder wie sie sich verhalten würden. Wir versuchen es nur in ihrer Sprache zu tun. Wir arbeiten mit der Körpersprache, mit Anspannung und Rückzug und und und… Sind wir nicht trotzdem Egoistisch, weil wir wollen, dass sie was genau jetzt für uns tun, was wir möchten? Ich lasse meinen Pferden immer einen gewissen Freiraum, in dem sie entscheiden können ob sie Lust auf das Training haben oder nicht. Sie zeigen einem ganz genau ob es heute geht oder nicht. Was mich aber nicht viel besser macht als die, die Tag für Tag, Pferde als Sportpferde trainieren, was bei diesen Menschen dann Arbeit heißt. Wo wir auch da wären, wo Pferde noch für uns gearbeitet haben. Jahrhunderte haben sie für uns den Acker bewirtschaftet, sind für uns in Mühlen immer im Kreis gelaufen oder haben unter Tage geschuftet. Aber zu dieser Zeit hatten sie einen anderen Stellenwert, was nicht weniger egoistisch ist wie heute, aber zu unserer Zeit, zumindest in Europa sind es doch zu einem großen Teil, Freizeit- und Sportpferde, die die meiste Zeit ohne uns verbringen und wenn wir dann eine oder vielleicht zwei Stunden am Tag zu ihnen kommen dann funktionieren müssen

 

Wir lassen Pferde über Hindernisse springen, immer höher und höher, oder treiben ihnen auf dem Dressurplatz die Sporen in die Seite bis die Augen aus dem Kopf quellen. Lassen unsere Westernpferde in der Reining immer länger stoppen oder in der Pleasure die Nase über den Boden schleifen. Binden sie mit dem Kopf auf die Brust und und und…..

 

Was ich hiermit nur sagen möchte,                                                                                                                  

 

wir dürfen es nicht für selbstverständlich nehmen, dass unsere Pferde, das alles für uns tun und darüber nachdenken, ob es auch noch einen anderen, einen nicht ganz so egoistischen Weg gibt mit unseren Pferden umzugehen, denn unsere Pferde sind nicht Egoistisch